Gestern war ich auf der CMT (Caravan-Motor-Touristik) in Stuttgart. Ich gehe seit vielen Jahren regelmäßig auf Messen – nicht, weil ich mit meinem Van unzufrieden wäre, sondern weil man im mobilen Leben mit der Zeit merkt, was einem fehlt. Und weil sich Wünsche manchmal leise verschieben, ohne dass man es sofort bemerkt.
Was mich immer wieder stört, ist nicht der Platz im Fahrzeug. Es ist die Größe im Alltag. Mein Van ist lang. Und 6,40 m (oder mehr mit Fahrradträger) sind in Städten eine eigene Realität: Parkplätze sind selten dafür vorgesehen. Man sucht länger, man passt nicht rein, man steht über, man benötigt zwei Parkplätze hintereinander oder stellt sich quer über drei. Und oft bleibt am Ende nur die Konsequenz: Stellplätze anfahren – die dann meist außerhalb liegen oder eine Infrastruktur haben, die eher „praktisch“ als „lebenswert“ ist.

🔸Schöner Stellplatz außerhalb der Ortschaft – ohne Infrastruktur, dafür mit Raum.
Bild: @vanje
Und deshalb war meine Suche diesmal gezielt: kürzer, maximal 6 Meter.
Der eigentliche Auslöser für den Messebesuch war aber noch ein anderer: Eine Neuauflage eines Hersteller aus meiner Nähe. Natürlich hätte ich auch direkt dort vorbeifahren können – aber wenn ein Neukauf realistisch wird, spielt etwas Banales plötzlich eine Rolle: der Messerabatt. Nicht als Schnäppchenjagd, eher als Logik: Wenn schon neu, dann wenigstens mit den Bedingungen, die dafür gemacht sind.
Ich führte drei Verkaufsgespräche. Und ich war ehrlich gesagt knapp davor, ein neues Fahrzeug zu kaufen. Da stand es: genau das, was ich gesucht hatte.
Und dann kam der Moment, in dem Zahlen plötzlich Gewicht bekommen: Er rechnete mir einen Rabatt aus – ohne Verhandlung: 16.990 €. Ich merkte, wie ich zögerte. Er merkte es auch. Und sagte sinngemäß: Man könne hier und da noch nachbessern. Noch etwas mehr Rabatt.
Meine Frau war dabei. Ich schaute sie an und sagte (zu ihr, aber auch zum Verkäufer): Das ist ein wirklich gutes Angebot. Weit unter dem, was ich mir selbst überschlagen hatte. Dann sagte ich: Wir gehen jetzt erstmal etwas essen. Und entscheiden dann. Das war keine Taktik. Das war Selbstschutz.
Wir gingen ins Bistro und reflektierten die Gespräche. Und dort passierte etwas, das ich von großen Entscheidungen kenne: Wenn man einmal aus dem Geräuschpegel raus ist, werden Dinge plötzlich wieder hörbar.
Letztlich entschieden wir uns gegen den Neukauf. Nicht, weil das Angebot schlecht war. Sondern weil sich das, was „passt“, nicht allein an Datenblättern entscheidet. 6 Meter sind mir am Ende doch zu klein. 40 Zentimeter wirken wie nichts – sind aber im Van ein ganzer Bereich. Ein Unterschied, den man nicht spürt, wenn man davorsteht, sondern wenn man darin lebt.

🔸Hinten bleibt alles gleich. Spürbar wird die Länge erst dort, wo man lebt.
Bild: @vanje
Und noch etwas: Dass man nicht immer zentrumsnah parkt, hat nicht nur Nachteile. Es hält einen in Bewegung. Es zwingt nicht zum direkten Zugriff, sondern zum Weg. Und manchmal ist genau das der Preis, der sich lohnt.
Ausschlaggebend war aber ein Gespräch mit einem älteren Mann. Wir kamen ins Reden, wie das auf solchen Messen manchmal passiert, wenn man gerade nicht kaufen will, sondern denkt. Und wir stellten etwas fest, das einfach klingt und trotzdem schwer wiegt: Ab einem gewissen Alter braucht man nicht mehr das Beste. Nicht mehr das Neueste. Nicht mehr alles. Wie lange kann ich noch fahren? Machen es die Sinne möglich, so große Fahrzeuge noch lange souverän zu bewegen? Oder ist es klüger, irgendwann auch andere Reiseformen in Betracht zu ziehen?
Und die stillere Frage dahinter: Was braucht man wirklich?
Wir sind am Ende ohne Neukauf nach Hause gefahren. Nicht enttäuscht. Eher geklärt. Mit der Erkenntnis: Wir haben damals eine gute Wahl getroffen.
Natürlich sind heutige Fahrzeuge elektronisch weiter. Assistenzsysteme, Komfort, Automatik – das hat Reiz. Und ich hätte gerne manches „korrigiert“, was 2019 aus Liefer- und Technikgründen nicht möglich war. Aber: Die Technik hat bisher gehalten. Bis auf kleinere Reparaturen läuft alles stabil. Und meine Erfahrung sagt mir: Das Neueste ist nicht automatisch das Bessere. Manchmal ist es nur: neuer.
Und manchmal ist das, was man bereits hat, nicht der Kompromiss – sondern genau die Entscheidung, die damals richtig war.
Die Messe zeigte viele Möglichkeiten. Aber entschieden hat wieder das Dazwischen.