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Kräuterkunde: Prächtige Fetthenne - Hylotelephium spectabile

Ökologisch gesehen hat die Prächtige Fetthenne einen interessanten Stellenwert als Schwermetallsammler und damit zur Bodenreinigung und Dekontaminierung.

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Systematik

  • Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
  • Familie: Dickblattgewächse (Crassulaceae)
  • Gattung: Fetthenne (Hylothelephium)
  • Tribus: Telephieae
  • Unterfamilie: Sempervivoideae
  • Art: über 400 Arten weltweit
    • Große Fetthenne/Purpur-Fetthenne (Sedum telephium /Hylothelephium telephium) (besonders verträglich)
      • 'Atropurpureum' – schwarzrote Blätter, Blüte August bis September
      • 'Herbstfreude' – standfest, breitere Blüten von bräunlichroter Farbe, bewährte beste Sorte, 50 cm
      • 'Karfunkelstein' – stabiler Stand, große Blätter verfärben sich langsam dunkelrot mit violettem Schimmer, rosa, sehr wertvolle Sorte
      • 'Matrona' – rosa Blüte Juli bis September, die fleischigen Blätter sind rötlich, 50 cm
    • Prächtige Fetthenne (Hylotelephium spectabile)
      • 'Abendröte' verbesserte Sorte Septemberglut, brillantere dunklere Farben
      • 'Brillant' – karminrosa, sehr breite Blüten
      • 'Carmen' – Flor mit intensiverer Färbung (dunkal-karminrosa), früh, sehr hoch wachsend
      • 'Purple Emperor' – fast schwarzrote Blätter, lockere Dolden
      • 'Rosenteller' – wertvolle Sorte mit leuchtenden leicht gewölbten Blütentellern, dunkelrosa, 30 cm hoch, Flor von Juli bis September
      • 'Septemberglut' – später blühend
      • 'Stardust' – weiße Blüten, Blüte von August bis September
    • Siebold-Fetthenne (Hylotelephium sieboldii)
    • Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) (verträglich)
    • Kaukasus-Fetthenne (verträglich)
    • Rötliche Fetthenne (verträglich)
    • Kamtschatkafetthenne (Sedum kamtschaticum)
    • Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre)
    • Kaukasus- Asienfetthenne (Sedum spurium)

Die 3 genannten "besonders verträglichen" Arten sind die, die man zumindest in kleinen Mengen konsumieren kann. Die anderen sind lediglich Zierpflanzen und führen zur Übelkeit.

In früherer Zeit gehörte die Fetthenne zu der Gattung der Sedum, doch heute zählt sie zu den Hylotelephium. Sedum sieht ähnlich aus.

Volkstümliche Namen

  • Donnerkraut
  • Fingerweh
  • Fetthenne
  • Große Fetthenne
  • Hohe Fetthenne
  • Heilblättli
  • Heil aller Wunden
  • Herbst-Fetthenne
  • Mutterkraut
  • Oktoberfest
  • Sichelschnitt
  • Schöne Fetthenne
  • Wolfskraut

wissenschaftliche Synonyme:

  • Sedum spectabile
  • Sedum fabaria
  • Sedum telephium ssp. spectabile (ältere botanische Einordnung)

Englisch:

  • Showy Stonecrop
  • Oprine (älterer englischer Begriff)

Namensherkunft

Der Gattungsname kommt vom griechischen:
hyle = Wald
Den Namen telephium wurde den Pflanzen verliehen, die nach der Meinung alter Ärzte, Wunden und Geschwüre heilen.

Der Artname kommt vom lateinischen "spectabile" = sehenswert.
Es könnte eine Anspielung auf "speculum" = Spiegel sein, was sich wohl auf die breiten "Blütenspiegel" schließen lässt.

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Mythologie/Geschichte

Die Prächtige Fetthenne hat ihren Ursprung nicht in Europa, sondern wurde aus China eingeführt und war dort eine etablierte Zierpflanze.

Ihre Geschichte in der asiatischen Volksmedizin ist lang. Denn in China ist sie bekannt als "Lebensverlängerungspflanze".
Später hat es in den bäuerlichen Gärtens Europa ebenfalls eine Position erhalten, da sie als Heilpflanze und Wetterorakel hier verehrt wird. Denn ihre Blätter zeigen das Wetter an, da sie sehr empfindlich auf atmosphärische Veränderungen reagieren.

Der botanische Name für die Gattung nimmt Bezug auf den Mythos des Griechischen König Telephos von Mysien. Dieser wurde mit einem Speer verletzt und wurde mit allen möglichen Kräutern behandelt, doch nichts heilte ihn. Nur der abgekratzte Rost der gleichen Lanze, mit der er verwundet wurde, hat den griechischen König Heilung bringen können. So wird Gleiches mit Gleichem behandelt - Was einen weh tut, kann ebenso regeneriereren lassen. Symbolisch gesehen trägt das zur Wortbedeutung des "Hylotelephium spectabile" bei. Wobei auch "telephium" selbst schon darauf Bezug nimmt, da es Wunden und Geschwüre heilt. Sowie "spectabile" mit "speculum" in Verbindung gesetzt wird und das "Spiegel" bedeuten kann.

Der abgeschabte Rost im Mythos kann man (muss nicht sein!) in Zusammenhang gesetzt werden mit den volkstümlichen Namen "Rote-/ Purpur-Fetthenne". Eigentlich müsste die Art "Rost-Fetthenne" heißen, denn auch die Blüten nehmen die Farbe von Rost an, wenn sie verwelken.

Symbolik

  • Langes Leben (Korea)
  • Wohlstand (Korea)

Volksglaube

Zum Schutze des Hauses, der Gesundheit, des Liebesglücks und des Erfolgs.

Auf den Dach des Hauses bepflanzt soll die Fetthenne das Haus vor Unwetter und Blitze des Donnergotts Thor bewahren. Diese Verbindung wurde geschlossen, dadurch, dass die Fetthenne bei gewitterreichen Jahren (also wo mehr Niederschlag fällt) ein deutlich stärkeres Wachstum aufweist.

Brauchtum

An Johannistag legten ledige Mädchen sich Stängel der Fetthenne in die Schuhe, denn der erste junge Kerl, der das Mädchen trifft, solle der zukünftige Ehemann werden. Doch ob dieses Orakel auch wirklich Erfolg bringen soll, das ist uns heute noch unklar. Probierts aus ;)
Ein weiterer Brauch geht so: 1-2 Stängel werden an die Hauswand gesteckt, sodass die Pflanze da an- und weitergedeiht. Es signalisiert eine baldige Verlobung. Wenn die Verlobung stattfand und das Pärchen sich glücklich verheiratete, dann wiederholt man diesen Prozess und ein Stängel wird wieder an die Mauer des Hauses gesteckt. Wenn dieser weiter wachsen sollte, dann soll das Paar eine glückliche Zukunft gemeinsam erhalten dürfen.

Um in Kriegszeiten zu erfahren, wie das Schicksal der in den Krieg gezogenen Geliebten sei, so hängte man die Fetthenne an den zentralen Balken des Hauses. Wenn sie weitergedeihte und grün blieb, so war der Soldat gut beinander. Doch wenn der Stängel welkte, dann hat der jungen Kerl Schlechtes erfahren müssen.

Die Fetthenne wurde vielerorts als Orakel verwendet. So wurde im 17. Jahrhunder von Landsherren sogar Verbote ausgeschrieben, die Pflanze zu diesen Zwecken zu nutzen.

Inhaltsstoffe

  • Alkaloide (in geringen Mengen)
  • Flavonoide
  • Fettsäuren (in Samen und Blättern)
  • Gerbstoffe
  • Glykoside
  • Kaempferol
  • Mineralstoffe
    • Eisen
    • Kalzium
    • Kalium
    • Magnesium
  • Organische Säuren
  • Phenolcarbonsäuren
  • Polysaccharide
  • Quercetin
  • Schleimstoffe
  • Saponine
  • Tannine
  • Vitamin C

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Wirkungen

  • antioxidativ
  • abschwellend
  • adstringierend
  • antimikrobiell
  • abschwellend
  • beruhigend
  • blutstillend
  • entzündungshemmend
  • erweichend
  • feuchtigkeitsspendend für die Haut
  • hautberuhigend
  • immunmodulierend (Tee)
  • juckreizstillend
  • kühlend bei leichten Verbrennungen und Insektenstichen
  • magenlindernd
  • wundheilend
  • wundreinigend

Anwendungsgebiete

  • Abführmittel (Presssaft)
  • Ausschläge
  • Ekzeme
  • Falten (als Salbe/Gel)
  • Hühneraugen
  • Hautirritationen, trockene oder gereizte Haut
  • Insektenstiche (äußerlich anwenden -> Blätter zerdrücken, auf Stelle drauflegen)
  • Magen-Darm-Beschwerden (Tee)
  • Schwellungen
  • Schürfwunden
  • Verdauungsbeschwerden (damals)
  • Verbrennungen (Sonnenbrand) (äußerlich anwenden)
  • Warzen
  • Wundheilung von kleineren Wunden/kleineren Eingriffen
  • Wurmmittel (Presssaft)

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Anwendungsbeispiele

  • Beilage zu Fleisch
  • Cremes
  • Gewürz, scharf
  • Gemüse braten (die Wurzeln für den Winter)
  • Salatzugabe, die scharf ist
  • Tee
  • Umschlag

verwendete Pflanzenteile

  • Wurzeln
  • Blätter
  • Jungtriebe

Merkmale

  • Wuchseigenschaften: mehrjährig, winterhart bis -23-30 Grad, pflegeleicht, horstbildend, windunempfindlich, aufrecht, kompakt, Lichtkeimer
  • Pflanzenart: Staude
  • Wuchshöhe: 30 - 50 cm
  • Wuchsbreite: 40 - 50 cm
  • Boden: trocken, sonnig bis halbschattig, nährstoffarm, sandig bis lehmig, frisch bis trocken (Staunässe bedeuten den Tod für sie), kiesig, humusarm
  • Wurzel: Flachwurzler, Knollenwurzelrhizom
  • Stängel: aufrecht rund, fingerdick, straff
  • Blätter: hellgrün bis blaugrün, fleischig, oval, breit-eiförmig, bis 10 cm lang, 2 oder 3 gegenständig/quirlig sitzende Blätter, Dickblätter dienen zur Wasserspeicherung -> resistent gegen Trockenheit; glatt und leicht gezähnt
  • Blüten: rosa, rot, weiß oder lila, große endständige Scheinrispen, viele sternenförmige Blüten, Doldenförmig angezordnet
  • Früchte: in Früchte sind kleine, trockene Samenkapseln, sogenannte Balgfrüchte
  • Vermehrung: jedes Ballenstück kann eingepflanzt werden, Teilen des Wurzelstocks im Frühjahr, Blattstecklinge, Absenker
  • Geschmack: knackig, feinsäuerlich, scharf und bitter

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Vorkommen

  • Europa: Skandinavien bis in Mittelmeergebiet
  • Asien

ursprünglich:

  • China
  • Korea
  • Mongolei
  • fernöstliches Russland

Fundorte

  • Böschungen
  • Felsflure (ursprünglich)
  • Grabbepflanzung
  • Mauern
  • Schotterflure (ursprünglich)
  • Schuttplätze
  • Steilhänge
  • Steingärten
  • Trockenrasen
  • Trockenmauern
  • Waldränder
  • Wegränder

Sammelhinweise

  • Blütezeit: Juli/August- September/Oktober
  • Erntezeit: April - Oktober
  • Insekten: Tiere überwintern an der Pflanze und die Fruchstände dienen als Futter für Tiere im Winter; Wildbienen z.B. Ackerhummel (Bombus pascuorum) , Westliche Honigbiene (Apis mellifera), Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum); Schmetterlinge/Nachtfalter z. B.: Admiral (Vanessa atalanta), Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
  • Schädlinge: Wurzelfäule, Blattläuse, Mehltau, Schnecken
  • Nebenwirkungen: Bei zu großen Mengen ist sie leicht giftig und ruft Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit hervor. Sie ist bedingt essbar. Schwangere, Stillende Frauen und Kinder sollten gänzlich die Finger von der Pflanze lassen um überhaupt gar kein Risiko einzugehen.

Verwechslungsgefahr!

  • Alle in ihrer Gattung, da die meisten nicht essbar sind.

Quellen:
Bilder von pexels.com und pixabay.com
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Hinweis!

Bei Verbesserungsvorschlägen, Fehlern und Inspirationen bitte ich um Korrektur. Der Beitrag ist nicht vollständig und es ist noch lange nicht alles über diese Pflanze gesagt.
Dieser Beitrag dient nicht als Heilversprechen, sondern als Zusammenstellung, was ich über die Pflanze im Internet finden konnte. Wenn du die Pflanze einnimmst, bedeutet es nicht, dass du automatisch von all deinen Krankheiten befreit bist, doch du kannst sie als Begleitmittel nutzen und um dich wieder mit der Natur zu verbinden.

Da ich für Eigenverantwortung bin, wünsche ich mir, dass ihr euch selbst informiert, wenn ihr eine Pflanze einnehmen wollt, und nicht nur auf diesen Beitrag vertraut, sondern euren eigenen Weg findet mit der Natur zusammenzuarbeiten.

Dann wünsch ich euch viel Spaß bei eurer Reise mit der Natur :)

~charlissy

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